ASA-Vorstand und Fachbereichsleiter (v. l.): Ralf Koch, stellv. Leiter Fachbereich Prüfstände, Bernhard Hoffmann, Leiter Fachbereich Reifendienst und Achsmessgeräte, Jürgen Spieker, Beirat im ASA-Verband, Karsten Meinshausen, ASA-Vizepräsident, Harald Hahn, Leiter Fachbereich Diagnose- und Abgasmessgeräte, Frank Beaujean, ASA-Präsident, Marco Kempin, ASA-Vizepräsident Finanzen, Anja Heinl, Leiterin Fachbereich B2B, Harald Pfau, Leiter Fachbereich Software und Dienstleistung und Markus Kesselmeier, L
Foto: Olaf Tewes
ASA-Vorstand und Fachbereichsleiter (v. l.): Ralf Koch, stellv. Leiter Fachbereich Prüfstände, Bernhard Hoffmann, Leiter Fachbereich Reifendienst und Achsmessgeräte, Jürgen Spieker, Beirat im ASA-Verband, Karsten Meinshausen, ASA-Vizepräsident, Harald Hahn, Leiter Fachbereich Diagnose- und Abgasmessgeräte, Frank Beaujean, ASA-Präsident, Marco Kempin, ASA-Vizepräsident Finanzen, Anja Heinl, Leiterin Fachbereich B2B, Harald Pfau, Leiter Fachbereich Software und Dienstleistung und Markus Kesselmeier, Leiter Fachbereich Klimaservicegeräte.

ASA-Bundesverband

ASA-Verband: Schwindet positive Erwartungshaltung?

Die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen im Bundesverband der Hersteller und Importeure von Automobile-Service-Ausrüstungen (ASA) zeigt eine zweigeteilte Entwicklung.

Im 50-jährigen Bestehen des Bundesverbandes der Hersteller und Importeure von Automobile-Service-Ausrüstungen (ASA-Verband) ist die wirtschaftliche Situation bezogen auf das aktuelle Jahr zufriedenstellend. Gut zwei Drittel sind mit dem Geschäftsjahr zufrieden, während 16 Prozent unzufrieden sind. Gut 18 Prozent der Befragten waren unentschlossen. Frank Beaujean, Präsident des ASA-Verbandes und Geschäftsführer der asanetwork GmbH präsentierte auf der Jahrespressekonferenz die Ergebnisse einer vor kurzem durchgeführten Mitgliederbefragung.

Der Ausblick 2023 hingegen wird überwiegend pessimistisch eingeschätzt. Während 42 Prozent die zukünftige Entwicklung neutral betrachten äußern sich 34 Prozent eher pessimistisch. Lediglich 21 Prozent sehen eine positive bis sehr positive Entwicklung für das nächste Jahr. Vor allem die inflationär steigenden Energie- aber auch die Rohstoffkosten sorgen für eine pessimistische Erwartungshaltung.

Entwicklung einzelner Produktgruppen

In den einzelnen Produktgruppen lassen sich in diesem Jahr unterschiedliche Entwicklungen erkennen. Die Hebetechnik ohne Grubenheber ist ein verlässlicher Umsatzbringer. Über 20.000 neue Hebebühnen zeigen, dass Werkstätten in diesem Segment investiert haben. Deutliche Zuwachsraten, wenn auch auf vergleichsweise niedrigem Niveau, verbuchen die Hersteller von 3D- (+25,9 Prozent gegenüber Jan.-Sept. 2021) und CCD-Achsvermessungssystemen. CCD ist die Abkürzung für charged coupled device/ladungsgekoppeltes Bauteil, die die eingesetzte Sensor-Technik beschreibt. CCD-Achsmessgeräte erzielten ein Plus von 73,8 Prozent gegenüber Jan.-Sept. 2021. „Das Wachstum drückt den steigenden Bedarf der Werkstätten aus, Fahrerassistenzsysteme (ADAS Abkürzung für advanced driver-assistenance systems) kalibrieren zu müssen.“ Dieser Trend, so die Erwartung von Bernhard Hoffmann, Leiter des Fachbereichs Reifendienst und Achsmessgeräte im Verband, werde sich auch im kommenden Jahr fortsetzen, weil der Fahrzeugfuhrpark mit jeder Neuzulassung modernisiert werde. „Fahrerassistenzsysteme sind aufgrund gesetzlicher Vorschriften die am stärksten wachsenden Ausrüstungsfeatures im Pkw und Lkw-Bestand.“ Um Systeme wie Spurhalteassistenten, Abstandsregelsysteme, Kollisions- oder Blind Spot Warner etc. nach einer Unfall- oder Verschleißreparatur richtig zu kalibrieren, benötigen immer mehr Werkstätten das erforderliche Präzisionswerkzeug für Achsvermessung und Kalibrierung.   

Bernhard Hoffmann, Leiter Fachbereich Reifendienst und Achsmessgeräte.
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Bernhard Hoffmann, Leiter Fachbereich Reifendienst und Achsmessgeräte.

Ein wirtschaftlich eher angespanntes Bild zeigen die Hersteller von Radauswucht- und Montiermaschinen. Gegenüber Vorjahr mussten die Hersteller teils Absatzrückgänge zwischen 20 bis 30 Prozent verkraften. Besonders drastisch ist der Rückgang mit über 41 Prozent bei Lkw-Wuchtmaschinen. „Ursache sind hier, wie zum Teil auch bei Pkw-Wuchtmaschinen, die durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg weltweit ausgelösten Störungen in den Lieferketten. In deren Folge ist es zu massiven Engpässen für elektronische Bauteile gekommen“, stellt Hoffmann in seinem Vortrag fest. Bei Lkw-Wuchtmaschinen sei zudem ein weiterer Rückgang des stationären Wuchtens zu beobachten.

Abgasuntersuchung

Der Fachbereich Diagnose- und Abgasmessgeräte wird seit Jahren von Harald Hahn betreut. Die Marktentwicklung bei den Geräteverkäufen hat sich nach seiner Aussage in den letzten drei Jahren stabilisiert. „Nach einem Boom bei Abgastestern, ausgelöst durch gesetzliche Änderungen und die Einführung des Geräteleitfadens 5.01 im Jahr 2018, hat sich der Markt weitgehend normalisiert. Seit 2020 prägt normaler Ersatzbedarf das Geschäft mit Abgastestern“, so Hahn. Ähnlich das Bild bei Diagnosegeräten, die sich seit 2020 auf dem Niveau von etwa 3.000 verkauften Geräten pro Jahr eingependelt haben. Noch eine Gleichung mit vielen Unbekannten ist der zu erwartende Absatz von Partikelmessgeräten.

Harald Hahn, Leiter Fachbereich Diagnose- und Abgasmessgeräte.
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Harald Hahn, Leiter Fachbereich Diagnose- und Abgasmessgeräte.

Harald Hahn geht für das Jahr 2022 von 10.000 Einheiten aus. Seine pessimistische Schätzung begründete er auch mit dem Aussetzen der vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) favorisierten Übergangslösung für das Partikelmessverfahren. Ein entscheidender Punkt der neuen AU-Richtlinie: Die Partikelmessung wird vorerst ausgesetzt, der Einführungstermin 1. Januar 2023 verliert seine Gültigkeit. Nach der neuen Richtlinie wird die Einführung der Partikelmessung von ausreichend im Markt verfügbaren Geräten abhängig gemacht. Als spätesten Einführungsterminstrebt man für die PN-Messung den 1. Juli 2023 an.

„Erfahrungsgemäß führt der Verzicht auf verbindliche Einführungstermine dazu, dass Werkstattbetreiber die Gerätebestellung bis zum letzten Moment hinauszögern“, so Harald Hahns Befürchtung. Wer als AU-Betrieb jetzt auf Zeit spiele, können am Ende von den Ereignissen überrollt werden, denn: „Die neue AU-Richtlinie sieht eindeutig auch einen früheren Start der Partikelmessung vor, wenn die flächendeckende Geräteversorgung gewährleistet ist. Die Ankündigung für den Start des PN-Verfahrens kann das BMDV kurzfristig, innerhalb weniger Wochen durch eine entsprechende Verkehrsblattverlautbarung bekanntgeben“, so Hahn. Wann die Marktabdeckung als ausreichend anzusehen ist, entscheidet eine Arbeitsgruppe des BMDV, in der auch der ASA-Bundesverband mitarbeiten wird. Das kann nach Meinung von Harald Hahn sehr schnell passieren. Deshalb sollten alle Werkstätten, die eine AU für Dieselfahrzeuge der Abgasnorm Euro 6 anbieten, ein entsprechendes Messgerät bestellen, so sein Tipp.

Zur Bewältigung der steigenden Nachfrage soll die Produktionskapazität von derzeit 800 bis 1.400 Geräten auf 2.600 bis 4.000 Geräten pro Monat erhöht werden. Das sei auch erforderlich, da beispielsweise die Prüforganisationen ca. 15.000 Geräte benötigten und es rund 30.000 AU-Werkstätten gebe.

Erfreuliche Personalie

Frank Beaujean wurde im Rahmen der General Assembly der European Garage Equipment Association (EGEA) Ende Oktober in Paris zum Präsidenten des Europäischen Dachverbandes der Werkstattausrüstungsherstellergewählt. Beaujean wird den europäischen Verband in den nächsten zwei Jahren anführen. Der studierte Informatiker und Elektrotechniker engagiert sich seit Jahren auch auf europäischer Eben in der politischen Verbandsarbeit.

„Wir stehen im europäischen Aftermarket vor großen Herausforderungen.“... „Zugang zu zunehmend digitalisierten und vernetzten Fahrzeugdateninfrastrukturen ist für unsere Branche und den gesamten Independent Aftermarket (IAM) von existenzieller Bedeutung. Gelingt es der Automobilindustrie und großen Tech-Konzernen, ihre unverblümten Monopolisierungsbestrebungen politisch durchzusetzen, gehen bei vielen mittelständischen Unternehmen im Aftermarket für immer die Lichter aus“, warnt Beaujean.

Frank Beaujean, Präsident des ASA-Verbandes und Geschäftsführer der asanetwork GmbH.
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Frank Beaujean, Präsident des ASA-Verbandes und Geschäftsführer der asanetwork GmbH.