Ein gut besuchter Messestand von Honda am Sonntag. 
Foto: Kay Lehmkuhl
Ein gut besuchter Messestand von Honda am Sonntag. 

Motorrad-Messe

Durchwachsene Intermot-Bilanz

Die Reifenmarke Heidenau präsentierte sich auf der Intermot 2022 als einzig relevanter Reifenhersteller der Biker-Community. Und auch bei den Motorradherstellern fällt die Präsenz-Bilanz dürftig aus. Die Koelnmesse kommuniziert dennoch einen „gelungenen Neustart nach vier Jahren“.

Die Messegesellschaft zeigt sich mit rund 100.000 Privat- und Fachbesuchern zufrieden. Die Redaktion von AutoRäderReifen-Gummibereifung erlebte auf dem Messegelände in Köln eine für unsere Branche kaum noch relevante Leistungsschau. Dies ist eigentlich unverständlich, denn Motorradfahren hat sich über den Verlauf der Pandemie als stabile Freizeitgröße erwiesen. Die Reifenbranche bilanzierte im Motorradsegment gute Umsätze, trotz Lieferschwierigkeiten. Auch bei der Vorgängerausgabe der Intermot traten nur wenige große Reifenhersteller mit Ständen auf, die komplette Unsichtbarkeit der Marken im Jahr 2022 aber macht ratlos.

„Nach vier Jahren pandemiebedingten Aussetzens ist die motorisierte Zweiradwelt zurück in Köln und der Besucherzuspruch unterstreicht, wie wichtig eine Branchenplattform gerade unter schwierigen Vorzeichen ist. Konsumenten und Handel freuen sich, wieder auf Messen gehen zu können, die Produkte hautnah zu erleben und anzufassen, besonders so emotional aufgeladene Lifestyleprodukte wie Motorräder oder Roller. Die Stimmung bei den Messeteilnehmenden war sehr gut, man konnte spüren, dass die Branche es vermisst hat, sich in einem solchen Rahmen wieder auszutauschen. Das hat einfach gefehlt in den letzten Jahren. Auch wenn die Branche nach der Pandemie noch nicht vollständig in Köln vertreten war“, so das gemeinsame Fazit von Oliver Frese, Geschäftsführer der Koelnmesse und Reiner Brendicke, Hauptgeschäftsführer Industrie-Verband Motorrad e.V. (IVM). Die Intermot 2022 registrierte laut Messe-Angaben insgesamt rund 100.000 Besucherinnen und Besucher aus 75 Ländern. Dabei stellte der internationale Fachhandel für die in Köln teilnehmenden Marken rund 20 Prozent der Gesamtbesucher, davon kamen über 30 Prozent aus dem Ausland. Sie informierten sich über das Angebot von rund 500 ausstellenden Unternehmen und Marken aus über 30 Ländern.

An den Tagen, an denen die Redaktion durch die drei Hallen streifte, erschien auf den ersten Blick alles im normalen Messemodus. Die Stände der Fahrzeughersteller gut frequentiert, eine annehmbare Sortiments-Vielfalt. Die Veranstalter sprachen im Nachgang von über 1.300 Motorrädern und Rollern. Besonders von Donnerstag bis Sonntag war es legitim von einem Besucherstrom zu sprechen. Wahr ist aber auch: das Fehlen von BMW, Harley-Davidson, Yamaha, KTM und Ducati minderte die Strahlkraft der Messe substanziell. Statt fünf wurden 2022 nur noch drei Messehallen bespielt.

Auch die Motorradbranche beschleunigt das Tempo im Bereich Elektromobilität, auf der Intermot war ein breites Angebot über die Klassen hinweg zu begutachten und zu erfahren. Einen Andrang konnte man beim eParcours mit aktuellen E-Motorrädern und E-Rollern beobachten. Und auch der geschärfte Fokus auf eine jüngere Zielgruppe war ein zentrales Element der 2022er-Ausgabe. Die Intermot lockte mit der World of 125ccm. Vom Publikum gut angenommen wurde laut den Messemachern auch die World of Shop@Intermot. Consumer hatten auf der Intermot erstmalig die Möglichkeit, Produkte vor allem aus den Segmenten Bekleidung und Helme auf der Messe zu kaufen. „Die konzeptionelle Anpassung, hin zum Verkauf auf der Messe, war für uns ein voller Erfolg. Unser Stand wurde an den Besuchertagen regelrecht belagert. Die Besucher erwarten auch, dass man auf einer Motorradmesse kaufen kann,“ so Matthias Kroner, Country Manager Rukka Motorsport Deutschland/Österreich.  Neben den Probefahrparcours waren die Stuntshows, die European Street Freestyle Championships und die Special Shows, wie beispielsweise die Unique Motorcycles, Highlights im Eventprogramm der Intermot 2022.

Trotz löblicher Bemühungen der Messegesellschaft konnte auch die Intermot 2022 wie nahezu alle andere von der Redaktion in diesem Jahr besuchten Messen keine Aufbruchstimmung erzeugen. Das Messegeschäft ist mühselig geworden – Euphorie kommt kaum noch auf. Als Branchenteilnehmer wollen auch wir weiterhin Präsenz erleben und uns auf Messen vernetzen und Informationen sammeln. Aber die Leichtigkeit in der Begegnung auf Branchenvents fehlt aktuell, aus vielerlei Gründen. Und die Ausstellerlisten schrumpfen – aus Reifensicht auf der Intermot 2022 auf einen annähernden Nullfaktor.

Kawasaki war einer der wenigen Platzhirsche der Branche mit großem Messestand. 
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Kawasaki war einer der wenigen Platzhirsche der Branche mit großem Messestand. 
Eine Minidosis BMW. 
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Eine Minidosis BMW. 
Eigentlich nicht übel frequentiert sahen die Messehallen und Gänge am Sonntag aus. 
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Eigentlich nicht übel frequentiert sahen die Messehallen und Gänge am Sonntag aus. 
Retroglanz von Horex. 
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Retroglanz von Horex. 
Der Stunt-Parcour lockte viele Besucher*innen in den Außenbereich. 
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Der Stunt-Parcour lockte viele Besucher*innen in den Außenbereich. 
Schmuckstück von BMW.
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Schmuckstück von BMW.
Auch Triumph nutzte die Abwesenheit anderer wichtiger Akteure cder Motorradbranche. 
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Auch Triumph nutzte die Abwesenheit anderer wichtiger Akteure der Motorradbranche. 
Die Reifenpräsenz auf der Intermot war eher trister Art. 
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Die Reifenpräsenz auf der Intermot war eher trister Art.