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Reifenindustrie

Schwarze Riesen im Scheinwerferlicht

Auf der diesjährigen bauma nutzten zahlreiche Reifenhersteller erneut die Gelegenheit, der Öffentlichkeit ihre Pneu-Neuheiten für Baumaschinenfahrzeuge vorzustellen. Die größte Aufmerksamkeit galt traditionell wieder den Branchengrößen Michelin, Bridgestone, CGS Tyres und Goodyear. Aber auch kleinere Anbieter hatten interessante Reifen zu bieten.

Auf der diesjährigen bauma nutzten zahlreiche Reifenhersteller erneut die Gelegenheit, der Öffentlichkeit ihre Pneu-Neuheiten für Baumaschinenfahrzeuge vorzustellen. Die größte Aufmerksamkeit galt traditionell wieder den Branchengrößen Michelin, Bridgestone, CGS Tyres und Goodyear. Aber auch kleinere Anbieter hatten interessante Reifen zu bieten.

Baumaschinenfahrzeuge haben in der Regel fulminante Ausmaße, ein entsprechendes Gewicht obendrein. Diese Stärke muss über die Bereifung auf den jeweiligen Fahruntergrund übertragen werden – ein Hochleistungsakt für Pneus also. Welche Antworten und Modelle die Reifenhersteller der Bauindustrie hierfür bereit halten, ließ sich auf der diesjährigen bauma beobachten. Gewaltige Dimensionen und technische Innovationen hatte fast jede auf der Messe präsente Reifenmarke im Gepäck.

Bridgestone Europa beispielsweise präsentierte sich auf der bauma mit einer breiten Palette an EM-Reifen. Auf seinem Messestand in Halle A6 waren neben einem wahren Reifenriesen, dem 59/80R63, auch zahlreiche EM-Radialreifen für den Einsatz im Bergbau- und Baustellenbereich zu begutachten. Die Radialserie VJT der Profilklasse L3 für Radlader soll Ende 2010 durch die zwei Größen 17.5R25 und 29.5R25 ergänzt werden. Die Kernmerkmale der VJT-Serie sind hohe Stabilität und Fahrkomfort. Laut den Bridgestone-Verantwortlichen konnten Verbesserungen zwischen 20 Prozent und 30 Prozent gegenüber dem Vorgängermodell erreicht werden. Gerade das geringe Vibrationsaufkommen bei hohen Geschwindigkeiten sollen den VJT zum idealen Reifen für den „Load- and Carry“-Einsatz machen. Für die nötige Stabilität sorgen die geraden Seitenwände. Hierdurch will man Käufern ein höheres Produktivitätspotenzial offerieren. Auch in Sachen Schnittverletzungen haben sich die Bridgestone-Entwickler Gedanken gemacht und die Schulter besonders geschützt. Als weitere Neuheit gab es in München die Möglichkeit, sich über den VHS-Kranreifen zu informieren. Dieser kommt nun mit dem neuen Geschwindigkeitsindex F für Höchstgeschwindigkeit bis zu 80 km/h in den Dimensionen 385/95R25 und 445/95R25 auf den Markt. Ebenfalls Teil des Bridgestone Ausstellungskataloges auf der bauma war der VSDT für Fahrzeuge im Steinbruch- und Mineneinsatz sowie der VCHS, der speziell für Geräte im Container-Umschlag geeignet ist und dank seiner Stahl-Radialkarkasse eine hohe Sicherheit und Stabilität gewährleisten soll. Dieser Serie werden noch in diesem Jahr die Größen 14.00R24 TL und 12.00R24 TT/TL hinzugefügt. Speziell für 100-Tonnen-Muldenkipper schließlich präsentierten die japanischen Reifenbäcker den VREP in der Dimension 27.00R49. Die Vorteile des Reifenprofils sind eine gute Wärmeableitung, weniger ungleichmäßiger Abrieb und geringe Vibrationen. Auf der diesjährigen REIFEN in Essen wird Bridgestone nicht vertreten sein, in München aber fiel der Auftritt nicht nur wegen des 59/80R63 recht üppig aus.

Eindrucksvoll war auf der bauma auch die Goodyear-Präsenz. Das Unternehmen stellte eine neue Generation von Lkw-Reifen für den Mischeinsatz in der Bau-Industrie vor. Für die Premiere des Omnitrac MSS II und Omnitrac MSD II hatten die Verantwortlichen nachvollziehbarerweise die Messe in München gewählt, wurden die Pneus doch auch speziell für die Bedürfnisse der Bauindustrie entwickelt. Die Entwickler wollen mit der neuen Reihe verbesserte Laufleistung und Traktion sowie nochmals erhöhte Durchstoßfestigkeit der Reifen erreichen. Der Goodyear Omnitrac MSS II ist für die Lenkachse konzipiert, der Omnitrac MSD II für die Antriebsachse. Beide sind mit der Omnitrac Max Technologie ausgestattet. Die Widerstandsfähigkeit des Omnitrac MSS II und des MSD II beruhen im wesentlichen auf einer optimierten Karkass-Konstruktion. Diese bewirkt laut den Goodyear-Verantwortlichen auch eine gute Runderneuerbarkeit. Auf der offiziellen Pressekonferenz zeigte sich Managing Director Mike King zuversichtlich, sich mit den Neuentwicklungen erfolgreich am Markt platzieren zu können. Deren Kernkomponenten sind verschleißfeste und alterungsbeständige Laufflächenmischungen, die spezielle Gummimischung unterhalb der Lauffläche sowie ausgewählte Gürtelmaterialien. Im Ergebnis soll diese Kombination eine hohe Kilometerleistung und verbesserten Schutz vor Verletzungen unter schwersten Einsatzbedingungen gewährleisten. Ein ebenfalls zentrales Verkaufsargument ist die hohe Korrosionsbeständigkeit der Stahlgürtellagen im Falle einer Verletzung. Insgesamt verspricht der Goodyear-Konzern beim Omnitrac MSS II und beim MSD II eine verbesserte Robustheit, aus der für den Kunden ein geringeres Pannen- und Ausfallrisiko resultiert.

Beim Omnitrac MSS II Lenkachsreifen fällt die breite Lauffläche mit den geschwungenen Mittelrillen und den stabilen Schulterblöcken auf. Die doppelt abgewinkelten Profilrillen sollen den Reifen vor Schäden durch Steine schützen und gute Selbstreinigungseigenschaften aufweisen. Eine spezielle Anordnung der Profilblöcke des Laufflächenprofils, welches je nach Reifendimension vier bis fünf Rippen aufweist, verringert das Abrollgeräusch des Reifens. Seinen Vorgänger, den Omnitrac MSS, soll er in Sachen Laufleistung und Geräuschbild laut Unternehmensangaben absolut in den Schatten stellen. Ob der MSS II tatsächlich das skizzierte Qualitätsspektrum erfüllt, wird letztlich der Markt zeigen. Sicher ist jedenfalls, dass der Reifen bereits jetzt die lauernden gesetzlichen Vorschriften hinsichtlich des Abrollgeräuschs (2012) und des Rollwiderstandes (EU-Richtlinie Nr. 661) erfüllt.

Gleiches gilt auch für den Omnitrac MSD II Antriebsachsreifen, der ebenfalls eine breite Lauffläche besitzt, die eine höhere Laufleistung sichern soll. Beim MSD II ist eine massive Mittel-Rippe zwischen den nach außen öffnenden Rillen positioniert, die das Abriebsverhalten positiv beeinflusst. Auch die zweite Goodyear-Neuheit wurde mit einem Profildesign für bessere Selbstreinigungskapazitäten ausgestattet. Für besseren Vortrieb auf lockerem Untergrund wurden mittels Kantenversatz die Schulterblöcke modifiziert. Wie beim Omnitrac MSS II sorgt eine spezielle Anordnung der Profilblöcke für eine niedrige Geräuschentwicklung. Die gesteigerte Laufleistung, die Reduzierung des Rollwiderstandes und die Verringerung des Abrollgeräusches sind die Hauptunterschiede zum Vorgänger MSD. Neben der Premiere des Omnitrac MSS II und Omnitrac MSD II konnte man sich am Goodyear-Stand insgesamt einen Eindruck von der Bandbreite der Produktpalette verschaffen. Interessante Neuheiten, über die wir in den kommenden Ausgaben ebenfalls berichten werden, hat Goodyear auch mit dem Offroad ORD, dem Marathon LHS II und dem Marathon LHD II, dem Regional RHS II und RHD II, dem UrbanMax MCD Traction sowie den Winterreifen UltraGrip WTS und UltraGrip WTD zu bieten.

Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ bereits im Außenbereich der französische Reifenhersteller Michelin. Zahlreiche Messebesucher nutzten dort die Gelegenheit, sich mit dem Reifenriesen Michelin XDR 59/80 R 63 und dem überdimensionierten Firmenmaskottchen ablichten zu lassen. Im Innenbereich lag der Schwerpunkt der Präsentation hingegen klar auf den Produktneuheiten X-TRACTION und Michelin XHA2. Diese Pneus sind die Ideallösung der Reifenmarke für Radlader, Grader und Muldenkipper. Bei der Entwicklung von Reifen für Erdbewegungsmaschinen hat Michelin das Ziel ausgegeben, die Wirtschaftlichkeit der Baustellenfahrzeuge zu erhöhen. Kostenreduzierung auf der Baustelle heißt das Stichwort. Die Versorgung mit Material, Werkstoffen und anderen Gütern ist bekanntlich ein zentraler Aspekt für den Erfolg in der Baubranche. Den neuen XTRACTION bietet Michelin in drei neuen Dimensionen jetzt auch für Muldenkipper an, die in Steinbrüchen und für große Bauvorhaben im Straßenbau eingesetzt werden. Bisher wurde der Reifen lediglich in der Dimension 27.00 R 49 hergestellt, die sich hauptsächlich für große Muldenkipper in Tagebaubetrieben eignet. Die Weiterentwicklung dieser Baureihe für den Einsatz in einem breiteren Einsatzspektrum soll dem Hersteller zusätzliche Marktanteile sichern.

Ab September 2010 wird die Produktfamilie Michelin X-TRACTION um die Dimension 24.00 R 35 erweitert. Im kommenden Jahr sollen dann die Dimensionen 21.00 R 33 und 18.00 R 33 hinzugefügt werden. Die neuen Dimensionen der Reihe X-TRACTION sind robuste Reifen. Laut Unternehmensangaben kann mit ihnen der Kraftstoffverbrauch des Fahrzeugs im Vergleich zum Vorgängermodell XDT um bis zu fünf Prozent reduziert werden. Ein Clou ist das „Cooling System“ auf den Reifenschultern. Mit der neu entwickelten Reifenarchitektur „Cooling2-Technologie“ will man die übermäßige Erwärmung des Reifens verhindern. Im Ergebnis soll dies einen niedrigeren Kraftstoffverbrauch bei gleichzeitig hoher Laufleistung bringen. Eine Dimensionserweiterung hat Michelin auch beim XHA2 realisiert. Für leichte und mittlere Radlader sind ab sofort die Größen 20.5 R 25 und 29.5 R 25 verfügbar. Auch bei diesem Pneu wurde die Kraftstoffeffizienz optimiert. Eine wesentliche Verbesserung konnte der Reifenhersteller nach Angaben von Jörg Wörner, Leiter Produkttechnik Erdbewegungs-und Industriereifen für Deutschland, Österreich und Schweiz, auch hinsichtlich der Unempfindlichkeit gegenüber Reifenschäden durch das Anbringen einer Flankenschutzleiste erreicht werden. Das patentierte Laufflächenprofil vermindere zudem unangenehme Vibrationen und erhöhe den Komfort. Ab Juli wird das gute Stück von verschiedenen Baumaschinenherstellern in der Erstausrüstung eingesetzt.

Die Chance zur Vorstellung seiner Produktneuheiten nutzte in München auch CGS Tyres. Als einer der führenden Hersteller von Off-Road Reifen hatte sich das Unternehmen wie auch die anderen großen Reifenhersteller in Halle A6 aufgebaut. Ein besonderer Schwerpunkt am CGS-Stand lag auf der Präsentation des für Mobilkräne entwickelten Mitas CR-01. Auf der bauma 2010 wurde die gerade in den Markt eingeführte Größe 445/95R25 gezeigt. Als Neuentwicklung im Segment der OTR-Reifen aus der Mitas-Reihe konnte die Industrie sich außerdem über das ERL-30 Radialprofil informieren. Dieses Profil wurde vor allem für anspruchsvolle, steinige Bodenverhältnisse hergestellt. Auch der für Lehmböden und sandige Untergründe konzipierte Mitas ERL-20 zählt zum OTR-Portfolio und weist besondere Traktionsqualitäten auf. Sowohl der ERL-20 als auch der ERL-30 sind 25 Zoll-Reifen und haben eine Ganzstahl-Konstruktion, die man für Radlader, Raddozer und Muldenkipper verwendet. Beide Modelle werden aktuell in den Dimensionen 17.5R25176A2/157B TL, 23.5R25 195A2/176B TL und 20.5R25 186A2/168B TL produziert. Etwas anders konstruiert sind die Mitas-Modelle ERD-30 und ERD-20. Diese eignen sich besonders für Muldenkipper und Radlader. Die verfügbaren Größen sind 23.5R25201A2/185B TL und 20.5R25 193A2/177B TL.

Die bauma war auch in diesem Jahr für die Größen der Reifenindustrie eine Pflichtveranstaltung. Neben den genannten Unternehmen fielen besonders auch die Auftritte der Magna Tyres Group und der Marken BKT und Titan auf. Letztere ist aktuell intensiv auf der Suche nach Vertriebspartnern im deutschsprachigen Raum. In den kommenden Ausgaben werden wir die Reifen dieser Hersteller noch genauer unter die Lupe nehmen. Insgesamt bleibt schon jetzt festzuhalten, dass angesichts der Fülle an Reifenneuheiten in der Baubranche kein Stillstand herrschen dürfte.

(kle)