Bert Althaus ist seit August 2021 als Chief Financial Officer (CFO) Teil des Autodoc-Vorstands.
Foto: Autodoc AG
Bert Althaus ist seit August 2021 als Chief Financial Officer (CFO) Teil des Autodoc-Vorstands.

IT/Online

Autodoc: „Plattform richtet sich an Endkunden“

Der Onlinehändler eilt von Rekord zu Rekord. Bert Althaus sieht im amz-Interview noch viel Potenzial. Zwar gehören Werkstätten und Flotten nicht zur Kernzielgruppe, dennoch beobachtet der Autodoc-CFO auch hier Wachstum.

Jeder vierte Ersatzteilkunde könnte Studien zufolge bis 2030 über E-Commerce-Plattformen ordern, Fachleute sprechen von „e-tailing“. Onlinehändler wollen Marktanteile auf Kosten des traditionellen Kfz-Teilehandels gewinnen. Zwar widmet sich Autodoc laut Chief Financial Officer Bert Althaus vornehmlich dem B2C-Geschäft und fokussiert Privatkunden, doch erfreuen sich die Berliner auch bei Gewerbekunden wachsender Beliebtheit. Eigenem Bekunden zufolge haben Besteller Zugriff auf ein Sortiment von 4,8 Millionen Produkten für 166 Auto-, 23 Lkw- und 154 Motorradmarken.

Der Online-Autoteilehändler unterstützt Fahrzeugbesitzer zudem mit dem Angebot „Autodoc-Club“: Laien haben Zugang zu Tutorials, also Reparaturanleitungen in Pdf- sowie Videoform, um die Reparaturen selbst durchzuführen, heißt es. Wenn der Einbau nicht eigenständig bewerkstelligt wird, kommen Endkunden mit dem Ersatzteil nicht selten in die Werkstatt. Bert Althaus gibt im amz-Interview beim Thema „mitgebrachte Teile“ allerdings Entwarnung und erklärt, es sei für Werkstätten wirtschaftlich nicht interessant, Kunden ihre Onlinekäufe einzubauen.

In den vergangenen Jahren eilte Autodoc von Rekordergebnis zu Rekordergebnis – wie verläuft das Jahr 2022 bisher?

Bert Althaus: In den ersten fünf Monaten verlief das Geschäft entsprechend unseren Erwartungen. Wir konnten weiter Kunden hinzugewinnen und unseren Umsatz steigern. Diese Ergebnisse sind im E-Commerce gegenwärtig schwer zu finden, insbesondere da wir uns mit einem sehr erfolgreichen Jahresbeginn 2021 vergleichen.

Wie hoch schätzt Autodoc das e-tailing-Potenzial im Bereich Kfz-Teile ein?

Bert Althaus: Bezüglich der Einschätzung von Marktpotentiellen führen wir keine eigenen Studien durch, sondern stützen uns auf zum Teil veröffentlichte Studien namhafter Beratungsinstitute. Diese sehen ein zweistelliges Wachstum pro Jahr bis 2030 für das e-tailing Business.

Welchen Anteil können Online-Marktplätze und E-Commerce-Anbieter erreichen?

Bert Althaus: Für den Gesamtmarkt wird der gegenwärtige Onlineanteil am Gesamtumsatz bei 10 Prozent geschätzt. Ein Anteil von 25 Prozent in den nächsten acht Jahren scheint realistisch.

Das Autodoc-Produktportfolio beschränkt sich nicht auf das Pkw-Segment. Wie viele Teile bzw. welchen Umsatzanteil umfasst beispielsweise der Nfz-Bereich?

Bert Althaus: Nutzfahrzeug-Artikel runden unser Sortiment ab. Sie stehen nicht im Zentrum unserer Geschäftsaktivität, da unsere Plattform sich an den Endverbraucher richtet. 

Gibt es eine Autodoc-Eigenmarke?

Bert Althaus: Unter den zwei Eigenmarken Ridex und Stark haben wir bei Autodoc eigene Produkte entwickelt. Diese Eigenmarken-Produkte bieten eine klassische Win-Win-Situation: Kunden profitieren von einer hohen und schnellen Verfügbarkeit zu attraktiven Preisen, wir selbst erzielen damit eine höhere Marge als mit dem Verkauf von Produkten anderer Hersteller. Mittlerweile machen unsere Eigenmarken einen zweistelligen Anteil am Umsatz aus – etwas, worauf wir sehr stolz sind, wo wir aber auch noch Potenzial für weiteres Wachstum sehen.

Wer nutzt ihr Angebot auf der Kundenseite? Bei Autodoc bestell(t)en in erster Linie Endverbraucher – inwiefern öffnet sich das Unternehmen gegenüber gewerblichen Kunden?

Bert Althaus: Unsere Plattform richtet sein Angebot an den Endverbraucher. Das ist die Stärke von Autodoc. Anhand des Kundenverhaltens sehen wir, dass auch gewerbliche Kunden in größerem Umfang bei uns einkaufen. Das breite Produktsortiment und die fairen Preise führen auch bei Werkstätten und Flottenbetreibern zu Interesse.

Seit September 2021 ist Autodoc eine AG.
Foto: Autodoc
Seit September 2021 ist Autodoc eine AG.

Das Do-it-Yourself-Segment gilt aufgrund der zunehmenden Komplexität der Fahrzeuge als begrenzt. Wie sieht das Autodoc?

Bert Althaus: Die Aussage zur zunehmenden Komplexität von Fahrzeugbestandteilen ist sicherlich richtig, wenn man Glühlampen oder elektronische Steuerungselemente betrachtet. Hingegen ist den meisten Autofahrern gar nicht bewusst, wieviel man mit wenigen Handgriffen am Auto selbst reparieren, ausbessern oder austauschen kann. Hier helfen wir mit unseren mehr als 3.600 YouTube-Tutorials.

Und welche Rolle spielt der „Install-it-for-me“-Bereich, bei dem Endkunden bestellte Teile in die Werkstatt mitbringen?

Bert Althaus: Werkstätten verdienen etwa die Hälfte am Service und die andere Hälfte an Ersatzteilen oder Verbrauchsmitteln. Aus diesem Grund sind Werkstätten wirtschaftlich nicht interessiert, dass Kunden ihre Onlinekäufe mit in die Werkstatt bringen. Eine Ausnahme bilden Artikel, die von Werkstätten nicht bestellt werden können, da ihre Lieferanten diese nicht anbieten.

Können Sie uns etwas über die Autodoc-Logistik verraten? Wie groß sind die aktuellen Lagerkapazitäten in Berlin-Lichtenberg und Stettin? Sind weitere Standorte geplant?

Bert Althaus: Gegenwärtig betreibt Autodoc Warenlager und Distributionszentren mit einer Kapazität von mehr als 60.000 Quadratmetern. Dieses Jahr werden wir in Stettin zusätzlich eine Lagerhalle mit 40.000 Quadratmetern in Betrieb nehmen. Im tschechischen Cheb werden wir ein weiteres Distributionszentrum mit 27.000 Quadratmetern im nächsten Jahr in unsere Lieferprozesse integrieren.

Mit wem arbeitet Autodoc bei Logistik und Transport zusammen?

Bert Althaus: Um den Kundenwünschen Rechnung zu tragen, arbeiten wir gegenwärtig mit fünf Branchenexperten in der Transportlogistik für unsere 27 Länder zusammen. Darüber hinaus haben wir diverse Express-Lieferdienste in den verschiedenen Ländern angebunden. Unser Ziel ist es, künftig den Kunden in Bezug auf Lieferfenster, Abhol- und Paketstationen mehr Optionen zur Auswahl zu stellen.

Auf welchen weiteren Portalen findet sich das Autodoc-Angebot?

Bert Althaus: Wir betreiben gegenwärtig mehr als 200 Portale, die zum Autodoc-Angebot gehören. Allerdings werden wir die Marke Autodoc mehr in das Zentrum unserer Marketingaktivitäten rücken, wie wir mit unserer TV- und YouTube-Werbung gegenwärtig zeigen.

Als Online-Portal ist die Customer Experience wichtig – welche Aspekte sind besonders wichtig?

Bert Althaus: Unser Bestreben ist, die Suche nach den richtigen Artikeln Kunden so angenehm wie möglich zu gestalten, da das immer noch die größte Herausforderung beim Verkauf von Autoersatzteilen ist. Darüber hinaus bieten wir mit rund 4,8 Millionen Artikeln und fairen Preisen ein Angebot, das unsere Konkurrenz nicht bieten kann.

Autodoc ist gemäß eigenen Angaben in 27 europäischen Ländern tätig und beschäftigt 5.000 Personen an sechs Standorten.
Foto: Autodoc
Autodoc ist gemäß eigenen Angaben in 27 europäischen Ländern tätig und beschäftigt 5.000 Personen an sechs Standorten.

Was steckt hinter den „Autodoc Plus“ Angeboten?

Bert Althaus: Autodoc Plus ist ein Sonderkonditionenprogramm für Stammkunden, das im Jahr 2020 gestartet ist. Vielbesteller profitieren bei Teilnahme von Rabatten, Premiumfeatures zu reduzierten Preisen und priorisierten Bestellungen. Wir unterscheiden hier zwischen Basis, Optimum, Professionell und Expert. Alle vier Angebote bieten zu unterschiedlich hohen monatlichen Raten unterschiedliche Premiumvorteile. Kunden erhalten beispielsweise einen Prioritätsbestellstatus und mit zunehmender Stufe einen steigenden Rabatt auf die Option „Sicher bestellen“. Die Stufen Professionell und Expert profitieren zudem unter anderem von einem Versandrabatt. Eins haben aber alle Stufen gemein: Hiermit möchten wir eine hohe Kundenbindung und -treue fördern.

Inwiefern kann der „Autodoc-Club“ ergänzen?

Bert Althaus: Ein Jahr vor Autodoc Plus, im Jahr 2019, haben wir den Autodoc Club eingeführt. Unseren Kunden hilft der kostenlose Club, die Kosten ihrer Fahrzeuge im Blick zu behalten sowie Wartung und Pflege einfach und günstig selbst zu organisieren. So ergänzt der Club Autodoc Plus, das unseren Kunden insbesondere im Kaufprozess Vorteile bietet. Übrigens, Autodoc Club gibt es seit Anfang 2020 auch als App. (amz/mas)

Herr Althaus, danke für die Antworten!

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