GTÜ warnt vor "Billigreifen"

Donnerstag, 26 Juni, 2014 - 11:45
Erschreckende Bremswerte auf Nässe liefern die Pneus im Test.

Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung warnt vor sogenannten „Billigreifen“ aus chinesischer und osteuropäischer Produktion und belegt dies mit den "alarmierenden" Ergebnissen aus einem Praxistest. Die GTÜ-Experten haben sechs dieser Reifen in der gängigen Größe 215/45 R17 auf ihre Bremsweg-, Nässe- und Handling-Eigenschaften getestet. Als Referenzreifen diente der Dunlop Sport Maxx, montiert auf einem serienmäßigen VW Golf GTI.

Alarmierend sind die Ergebnisse: Bei einer Vollbremsung auf nasser Fahrbahn aus einer Geschwindigkeit von 100 km/h hat im Vergleich zum Referenzreifen (49,9 m gesamt) selbst der beste der „Billigreifen“ einen über sechs Meter längeren Bremsweg (56,2 m gesamt). Der schlechteste Reifen kommt sogar erst nach zwölf Metern mehr (61,9 m gesamt) zum Stillstand. „Dies kann im schlimmsten Fall für den Autofahrer tödlich sein“, so die GTÜ-Experten. Erschreckend sind die Restgeschwindigkeiten beim Bremsvorgang aus 100 km/h: Während das Auto mit den Referenzreifen nach knapp 50 Metern steht, rauschen die Fahrzeuge mit den „Billigreifen“ – trotz identischem Bremsvorgang – mit Geschwindigkeiten von bis zu 44 km/h vorbei und kommen erst viele Meter weiter zum Stillstand.

Überprüft wurde auf der Teststrecke des Goodyear Dunlop-Konzerns auch das Aquaplaning-Verhalten. Der Referenzreifen bleibt laut GTÜ bei 80 km/ in der Spur und schwimmt nicht auf. Nach Aussage der Tester schwimmen "Billigreifen" beim Überfahren der Nassfläche auf - das Auto untersteuere massiv und könne selbst durch heftiges Einlenken nicht auf Kurs gehalten werden. Der schlechteste Reifen schaffte im Test offenbar gerade mal 58 Prozent der Leistungsfähigkeit des Referenzreifens.

Ähnlich verhält es sich auf dem Handling-Kurs. Schon beim Anfahren fehlt es laut den GTÜ-Mannen an Traktion und der Golf mit den Referenzreifen fahre vornweg. Die GTÜ attestiert den Billigreifen "schlechtes Gripniveau, keine Seitenführung, heftige Lastwechselreaktion schon bei langsamer Geschwindigkeit und kaum Traktion." Einige der Billigfabrikate mit Sommerreifenprofil werden mit M+S-Kennzeichnung auch als Winterreifen angeboten. Die GTÜ-Sicherheitsexperten raten vom Kauf solcher Reifen dringend ab, da die Testergebnisse im Nassverhalten allesamt verheerend sind. Zu den katastrophalen Fahreigenschaften vieler „Billigreifen“ komme noch ein weiteres Manko hinzu: Die Preise der Billigfabrikate seien mittlerweile so hoch, dass man schon für 25 bis 30 Euro mehr einen Markenreifen bekomme. Rund 100 Euro Aufpreis für einen Satz Markenreifen sind deshalb allemal eine gute Investitionen für die Sicherheit, so das Fazit der GTÜ.

Ein Video zum Test ist hier abrufbar.

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